Verschwendung ist unachtsam verlorener Profit
Werte zu schaffen, ist die zentrale Aufgabe des Unternehmens. Das bedeutet gleichzeitig,
Verschwendung zu vermeiden. Dabei sind Werte nicht allein die Aufwendungen, um ein verkaufbares
Produkt zu veredeln. Auch angenehme Büros und elegante Firmenwagen können Werte
darstellen, wenn sie indirekt wirklich dazu beitragen, Produkte marktfähig zu erzeugen und die Wertigkeit
des Unternehmens zu erhöhen.
Verschwendung ist dagegen alles, das ohne Nutzen und manchmal unbemerkt verbraucht wird. Dazu gehören
in allen Bereichen des Unternehmens - nicht nur in der Produktion - unter anderem folgende Verluste:
* Transport
* Bestände
* Bewegung
* Warten
* Überproduktion
* Unnötige Prozesse/Genauigkeit
* Fehler/Ausschuss
* aber auch: Suchen; umständliche Abläufe; ungelesene Reports; ergebnislose Meetings;
grenzenlose E-Mail-Verteiler und Abhandlungen; Unterbeschäftigung; Überlastung; Varianten; Änderungen; nicht
genutztes Wissen; abgebrochene Projekte; ...
Quellen:
Transport
Weite Wege zwischen der Arbeitsschritten benötigen Transportmittel, Personal und Zeit. Zudem steigt die Gefahr der Beschädigung und Verschmutzung.
Bewegung
Nicht jede Bewegung stellt im klassischen Sinn einen Transport dar. Zeit- und Energieverluste können auch am einzelnen Arbeitsplatz durch unzureichende Ergonomie oder Arbeitsfolgen entstehen.
Warten
Jedes Warten verbraucht Ressourcen: Personalkosten, nutzbare Produktionszeit, etc.. Untätiges Warten auf das Ende eines Zerspanungsvorgangs gehört ebenso dazu wie das Warten auf Freigaben zu Geschäftsprozessen.
Überproduktion / Wertespeicherung in unverkaufter Ware;
Bestände vs. Cash-Flow
Wird zuviel Ware produziert (mehr als vom Kunden/Markt verlangt) so stauen sich die erarbeiteten Werte (=Kosten) im Versandlager und als Halbfertigprodukte auch in der Fertigung. Der Cash Flow ist behindert, im ungünstigsten Fall sogar insgesamt negativ. Hier besteht der Engpass im Vertrieb. An diesem Engpass muss sich das gesamte Unternehmen orientieren; jede darüber hinaus gehende Anstrengung ist Verschwendung. Deshalb muss entweder der Engpass geöffnet werden oder alle vorausgehenden Prozesse mit Überkapazität gedrosselt werden. Das geschieht in den meisten Fällen durch Stoppen der Produktion, wenn das Limit des Engpasses erreicht ist. Die Prozesse zu verlangsamen, ist selten eine geeignete Lösung, weil die Lohnstückkosten steigen, denn das Personal ist in der "überschüssigen Zeit" nicht frei für andere Aufgaben.
Information Overflow
Auch Informationen können im Überfluss produziert werden. Dadurch entsteht Verschwendung bei den Schreibenden als auch bei den Lesenden. Die Gründe für übermäßige Information können vielfältig sein.
Ungenutzte Reports und Statistiken
Reports und Statistiken sind notwendig hinsichtlich aller Aspekte für die sie wirklich genutzt werden. Wenn sie definitiv nicht genutzt werden, sind sie Verschwendung; wenn sie "nur vielleicht einmal" gebraucht werden, lohnt es sich, sie zu hinterfragen.
Unnötige Prozesse oder Genauigkeit
Werden Daten in Statistiken oder Formularen erfasst, die später nicht genutzt werden, dann ist dieser Teil der Datenbearbeitung verschwendete Zeit.
Arbeitsschritte, deren Ergebnis die Kunden nicht interessiert, hohe Genauigkeiten oder aufwändige Werkstoffe, die niemand bemerkt, sind Verschwendung.
Es sei denn, sie erhöhen trotzdem Image und Attraktivität des Produkts.
Fehler, Ausschuss, Einstellteile
Fehler, Ausschuss und Einstellteile verbrauchen Ressourcen und können nicht verkauft werden. Sie stellen damit verlorenen Profit dar.
Vernichten bereits geleisteter Arbeit
Wenn vor einem Arbeitsplatz die Werkstücke strukturiert angeliefert werden und hinter dem Arbeitsplatz die Ware strukturlos abgeworfen wird, ist die Chance, dem nächsten Arbeitsplatz die Arbeit zu erleichtern, vergeben.
Optimiert und automatisiert ein Arbeitsplatz die Erstellung von Formularen oder Berichten (im Hinblick auf die geforderte Struktur beim nächsten Arbeitsplatz), so ist diese Optimierungsleistung nutzlos, sobald die vom Empfänger erwartete Struktur geändert wird. Das gilt z.B. im Berichtswesen.
Wenn Zeichnungen oder Teile davon neu erstellt werden müssen, nur weil sie nicht gefunden werden, so kann es sich um Verschwendung handeln. Die Gründe dafür können in variierenden Benennungen des identischen Teils, in der Systematik der Teilenummern oder in der Ablage identischer Teile in unterschiedlichen Projekten oder Stücklistenbäumen liegen.
Unachtsamer Umgang mit verfügbaren Mitteln
Im 18. Jahrhundert, als Japan weitgehend von der Außenwelt abgeschlossen war, wurde alles verwertet, das verfügbar war. Damit entstand schon damals -erzwungen durch die Umstände- eine sparsame Kreislaufwirtschaft ("Mottainai", das Bedauern, etwas ungenutzt zu verlieren). Der Gedanke ist grundsätzlich noch immer aktuell. Jedoch ist betriebswirtschaftlich abzuwägen, ob das Einsparen von Personalaufwand wichtiger ist als eine Materialersparnis und ob Kosteneinsparungen wichtiger sind als Zeiteinsparungen. Entscheidend ist auch hier, den Engpass zu erkennen und zu bearbeiten. "Mottainai" liefert in jedem Fall ein wertvolles Konzept für die stetigen Verbesserungen.
Verlorenes Wissen; ZDF: terra x
Alles Vorhandene wertschätzen und nutzen (Mottainai)
manuelle Eingriffe in automatische Abläufe (Übersteuern von Navigation)
Automatisierte Prozesse und Entscheidungen einschliesslich derjenigen für die Fabriklogistik verfolgen Ziele, die zuvor festgelegt und als Software abgebildet wurden. Wenn in diese Prozesse ständig manuell eingegriffen wird (Prioritätsänderungen), arbeiten sowohl die Automation als auch die handelnden Personen ineffizient.
Änderungen
Bei jeder Änderung wird ein Teil des für die erste Fassung schon geleisteten Aufwands vernichtet. Das gilt für den Kostenaufwand wie für die verlorene Zeit.
Unterbrechungen
Unterbrechungen führen immer zu physischem oder geistigem Abrüsten des Arbeitsplatzes und erneutem Aufrüsten bei Wiederaufnahme des abgebrochenen Vorgangs.
Kapazitätsverlust durch Rüsten, Werkzeugwechsel ... am Engpass
Rüsten, Werkzeugwechsel, Werkstückwechsel und Stillstandszeiten für Zwischenmessungen sind keine wertschöpfenden Vorgänge. Sie werden deshalb so kurz wie möglich gehalten, eventuell mit hauptzeitparalleler Vorbereitung.
Leerlauf
Leerlauf bedeutet, eine "Ressource" ist in Betrieb, erschafft aber keine Werte. Dem Aufwand (Kosten; Zeit) steht kein Nutzen gegenüber. Ausnahmsweise kann Leerlaufbetrieb jedoch sinnvoll sein, wenn damit erreicht wird, dass sich bei Eintreffen des nächsten Werkstücks alle Betriebmittel in thermisch stabilem Zustand befinden (z.B. kein thermischer Verzug von Vorrichtungen während des Prozesshochlaufs)
verlorene Mitarbeitende
Mitarbeitende sind Träger von Wissen und Erfahrung, ein Teil dessen ist oft nicht dokumentiert und verschwindet mit den Mitarbeitenden. Besonders ungünstig wirkt sich dieser Verlust aus, wenn er später beim Wettbewerb als Erfahrungszuwachs in Erscheinung tritt.
Kopieren, Umschreiben, Abschreiben, ...
Kopieren, Umschreiben, Abschreiben etc. schafft keine Werte. Insofern ist zu fragen, ob die Informationen direkt bei der Erstellung in das letzte Nutzungsformat gebracht werden können und die Ablage dort erfolgen kann, wo die Nutzer sie später auslesen müssen.
wenn, falls, eventuell ... Entscheidungen
Die Grundlagen für Entscheidungen müssen klar und eindeutig sein. Entscheidungen, die von unvorhersehbaren Bedingungen abhängen (falls ... dann doch ...) brauchen für den Nutzer einen Entscheidungsbaum oder sind nicht nutzbar. Ideal ist die Klärung aller Voraussetzungen vor der Entscheidung.
Stopp mangels Entscheidung
Oft ist vorgeschrieben, nach bestimmten Arbeitsblöcken / Meilensteinen eine Freigabe oder Entscheidung einzuholen. Wird diese Entscheidung spät oder nicht erteilt, stoppt die Bearbeitung (in Produktion oder Verwaltung) und wird zum Projektengpass.
konträre und eigenmächtige Unter-Ziele (low level goals);
persönliche vs. Firmenziele
Die Ziele des Unternehmens müssen klar und verständlich kommuniziert sein. Wenn in der Organisation Unter- oder Teilziele definiert werden, die nicht absolut synchron zu den Unternehmenszielen sind, entstehen Verschwendung und Reibung.
keine Ziele; keine Fortschrittskontrolle; kein Support; kein Interesse
Keine expliziten Ziele zu haben, bedeutet dass viel Energie für Maßnahmen aufgewendet wird, die später als "nicht nutzbringend" eingestuft werden. Ähnlich verhält es sich, wenn zu selten abgefragt wird, ob der eingeschlagene Kurs noch zum Ziel führt. Unnötiger Ressourcenverbrauch tritt auch dann auf, wenn Mitarbeitende engagiert ein Ziel verfolgen, ihnen jedoch die notwendige Unterstützung fehlt. Zum Schluss stirbt dann der Prozess ab, bevor der Erfolg erreicht ist.
viele Varianten, keine Standards
Jede Variante von Produkten, Dienstleistungen und Abläufen erfordert Änderungen in Planung, Ausführung etc.. Damit steigt der anteilige Zeit- und Kostenaufwand für nicht wertschöpfende Tätigkeiten, die Effizienz sinkt. Je mehr sich Produkte und Prozesse an festgelegten Standards orientieren, desto höher wird der Anteil wertschöpfender Arbeit.